Pfarrplan

Noch nicht verdaut ist der Pfarrplan 2018, den wir in Fornsbach und Kirchenkirnberg schon zum Sommer 2013 umzusetzen hatten, da bahnt sich schon der Folgeplan seinen Weg.

Die Bezirkssynode hat den Kirchenbezirksausschuss mit der Ausarbeitung eines Pfarrplankonzepts beauftragt, dem eine Arbeitsgruppe zuarbeiten soll.

Unsere beiden Kirchengemeinden Kirchenkirnberg und Fornsbach haben die paritätische Besetzung der Gremien aus Stadt- und Dorfgemeinden eingefordert. Andernfalls ist zu befürchten, dass kirchliche Planungen denen in der Wirtschaft folgen: Uns geht es uns um eine Überwindung des Zentralisierungsgedankens, damit Gemeindeglieder auf dem Land sich weiterhin mit ihrer Kirche identifizieren und in ihr engagieren wollen.

Wie genau die Rahmenbedingungen für den Pfarrplan aussehen, ist erst in der Landessynode vom 13.-15. März 2017 zu erfahren. Doch düstere Wolken lassen den bisher härtesten Kürzungsschritt erahnen, der Pfarrstellen in kleinen Gemeinden verschwinden sieht.

Hintergrund der weiteren Pfarrstellenkürzungen ist der Mangel an Theologinnen und Theologen, der sich angesichts steigender Ruhestandszahlen im Pfarrdienst immer massiver auswirken wird. Aber auch finanziell will sich die Landeskirche nicht auf Jahrzehnte an Belastungen im Pfarrdienst binden.

Im Kirchenbezirk gilt bisher die Kopplung: Wer 2018 stark vom Pfarrplan betroffen wurde, soll 2024 verschont bleiben. Doch ob sich diese Zusage angesichts zu erwartender harter Kürzungsquoten wird halten lassen, müssen wir abwarten.

Der Trend zu weniger Pfarrstellen aber auch zu kleiner werdenden Gemeinden wird voraussichtlich weitergehen. Im Kirchenbezirk verlieren wir jedes Jahr eine Zahl im Umfang der Kirchenkirnberger Gemeindeglieder. Der Backnanger Bezirk schrumpft landeskirchenweit mit am stärksten! Eine kleine Gegenbewegung bringen steigende Geburtenzahlen.

Im Kirchengemeinderat sind wir uns einig: Wir nehmen engagiert und selbstbewusst unsere Verantwortung wahr und unterstützen aktiv Lösungen, die den Menschen und der Kirche als ganzer dienen.

 

Pfarrplan Stellungnahme September 2016

An den Kirchenbgezirk Backnang erging zum September 2016 folgende Stellungnahme, die der Kirchengemeinderat beraten und beschlossen hat:

Evangelische Kirchengemeinden Fornsbach und Kirchenkirnberg

Pfarrplan 2024 – Welche Kirche braucht das Land?

 

 

 

1. Gott bei den Menschen
Gott füllt seine Mission für die Welt im Mensch gewordenen Christus mit Fleisch und Blut. Die Weitergabe des Evangeliums kann also nicht anders als inkarnatorisch gedacht und gelebt werden. Wenn sich Gemeinde Jesu Christi also personal versteht, treten funktionale Dienste hinter die konkrete Begegnung mit Zeuginnen und Zeugen des Evangeliums zurück.

Vor dem Horizont des in unserer Kirche gepflegten Priestertums aller Gläubigen tritt der Pfarrdienst als besondere Beauftragung zur öffentlichen Verkündigung des Evangeliums (inklusive Sakrament und Kasualien) ins Licht der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung. Gerade angesichts vertrauter privater Bezüge in christlichen Gemeinden ist es der Pfarrdienst, dem Menschen sowohl solidarische Nähe, als auch professionelle Distanz und die Verschwiegenheit des Beichtgeheimnisses zutrauen. Ohne die Wirkkraft des Evangeliums einzuschränken, lebt auch die Authentizität der Verkündigung vom gegenseitigen einander Kennen. Es predigt eben nicht das Amt an sich, sondern der dazu beauftragte „pastorale Nachbar“, der mit mehr als dem gesprochenen Wort für das steht, was Kirche sein kann.

Bei aller Kritik an der Vereinsdimension von Kirche agiert vor Ort eine Gruppe Engagierter in Beziehungen, auch in Beziehung zur Person im Pfarrdienst. Abstraktes kirchliches Handeln misslingt darum gerade in postmoderner Zeit.[1] Begegnung, Verlässlichkeit, Treue sind Kategorien christlichen Zusammenlebens, die nicht zuletzt analog zu theologische Kategorien verstanden werden können.

Um der Treue Gottes und seiner persönlichen Zuwendung in Jesus Christus willen: Kirche muss ihren Pfarrdienst den Menschen und ihrer Lebenswelt nah organisieren.

Sicher: Der Pfarrplan ist eine verwaltungstechnische „Kunst“, aber gerade deshalb: Hat die Theologie noch eine Chance?

2. Welche Kirche braucht das Land?
Soziologisch unterscheiden sich Bezüge, in denen Menschen auch ihren Glauben leben, beispielsweise in der Stadt und auf dem Land. Wo städtisch funktionale und spezialisierte Angebote mit parochieübergreifenden personalen Beziehungen gefüllt werden können, ist auf dem Land der generalisierende und personal kontinuierlich begegnende Pfarrdienst gefragt.

Sicher: Soziologische Studien gibt es hinreichend, aber gerade deshalb: Wo wird die Differenzierung Stadt/Land für den Pfarrplan reflektiert?

3. Aus der Fläche in die Stadt

Funktional und strukturvereinfachend denkende Instanzen planen Servicestellen in Zentren, nach Möglichkeit mit Ausstrahlungskraft in die Fläche[2].  Die Konsequenz für Menschen auf dem Land ist eine Entfremdung der Gemeindeglieder von ihrer Kirche, der sie bisher weit überdurchschnittlich Vertrauen (Wahlbeteiligung), Engagement (Ehrenamtliche) und Unterstützung (Spenden, Arbeitseinsätze…) zukommen lassen. Solche engagierte Identifikation mit der eigenen Kirche(ngemeinde) ist unbezahlbar!

Sicher: Zentralisierung bündelt knapper werdende Ressourcen, aber gerade deshalb: Der Abschied aus dem kirchentreuen Dorf führt zu gewaltigen Verlusten in der Unterstützung von Kirche insgesamt! Aus der Landeskirche würde eine (leere) Zentrenkirche. Wo immer möglich soll die Stadt vom Land her, in dem eine Beziehungspflege lebbar bleibt, pastorale Brücken finden.

4. Welchen Pfarrdienst braucht die Kirche?

Das württembergische Pfarramt mutet an wie ein Rudiment königlich-württembergischer Verwaltungsstrukturen. Der Pfarrdienst steht für Haushaltsführung, Gebäudemanagement, Personalverantwortung, Pfarreistiftungsorgan, Forst- und Landwirtschaftsamt für Pächter und immer noch auch Dorfersatzbürgermeisteramt .… .

Hinzu treten sozialarbeiterische, pädagogische, kybernetische und organisationspolitische Aufgaben. Pfarrplanfolgen lassen den Pfarrdienst mit unerledigten Hausaufgaben auf anderer Ebene allein (Pfarrhausleerstand, Konfliktmanagement, endlose Moderationsprozesse …).

In Kirchen anderer Prägung und Geschichte konzentriert sich der Pfarrdienst auf seine pastoralen Aufgaben. Welch ungeheures Potential würde hierdurch selbst bei schrumpfendem Personalbestand frei!

Sicher: Das lokal ansässige Konglomerat Pfarramt ist hinsichtlich vieler kleiner Aufgaben eine günstige und einfache Lösung für eine effektive Verwaltungsarbeit, aber gerade deshalb: Der Pfarrdienst muss vom fachfremden Ballast befreit werden, um schließlich effektiv seiner eigentlichen pastoralen Aufgabe gerecht werden zu können.

5. Welche Ergänzung braucht der Pfarrdienst?

In pastoraler Hinsicht wird es weiterhin funktionalen, überparochialen Pfarrdienst brauchen -  Spezialisierungen, die der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kirche und der konkreten Unterstützung von Menschen mit spezifischen Fragen gerecht werden (Bauernpfarramt, Asylpfarramt, ….). Hier finden zudem Menschen eine geistliche Beheimatung, die in ihrer Ortsgemeinde Fremdheitserfahrungen machen.

In verwaltungstechnischer Hinsicht braucht der Pfarrdienst eine in Kompetenz und Dienstumfang gestärkte Kirchenpflege, breiter aufgestellte Sekretariate, professionell ergänzte Verwaltungsstellen (z.B. ein umfassendes Facilitymanagment für alle Gebäude- und Baufragen). Den einhergehenden Machtverzicht sollte sich der Pfarrdienst im Sinn seiner pastoralen Profession aktiv zu eigen machen.

Schluss

Eine theologische Reflexion, eine differenzierende Sozialraumanalyse und die gelebte Nähe zu den Menschen motivieren Identifikation und Engagement, auf welche Kirche nicht verzichten kann. Die Konzentration im Pfarrdienst stärkt die professionelle Dienstgemeinschaft hauptamtlicher kirchlicher Mitarbeitender (auch innerhalb des Pfarrdienstes). Gemeinsam mit allen von Gott berufenen Zeuginnen und Zeugen erlebt der Pfarrdienst eine neue Ausstrahlungskraft, die dem Nachwuchsproblem und der verbitterten Gemeinde attraktive Auswege eröffnet.                                                                                                             30.9.2016 SK

 



[1] Die Erwachsenenbildung lernt zunehmend, dass Bildungsinhalte allein nicht mehr Menschen in den Dialog führen, vielmehr sind Formen der „Geselligkeit“ und der Gemeinschaft ein hinreichender Rahmen auch für Inhalte.

[2] EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ Leuchtfeuer 3, 2006.