Aktuelle Predigt

An dieser Stelle finden Sie die aktuelle Predigt von Pfarrer Steffen Kaltenbach. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir auswärtige Prediger nicht um die Veröffentlichung ihrer Predigten bitten.

Gottesdienst zum Sonntag Reminiscere, 17.3.2019,

10.45 Uhr in der Evang. Kirche Fornsbach

 

Wochenspruch: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,8

 

Psalmgebet:  Psalm 23, (711), Ehr sei dem Vater…

 

Lesung: Joh 3,14-21

… wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

 

Lied: Gott liebt diese Welt, EG 409,1+4-7

 

Predigt: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh 3,16

 

Liebe, geliebte Gemeinde in Jesus Christus,

 

glaubt man den Ratgebern in Buchhandlungsregalen oder den kleinen Tipps für ein gelingendes Leben, dann tun wir Menschen unserer Zeit uns schwer mit dem Leben in der Gegenwart: „Sorge dich nicht, lebe! Tu`s jetzt! Carpe diem: Pflücke den Tag!“

Lebe jetzt: Dieser Aufruf oder der gutgemeinte Rat wendet sich in zwei Richtungen: Lebe jetzt! Das heißt zum einen: Lass die Zukunftsängste beiseite, kümmere dich um den Augenblick: Was kommt, kommt eh. Mach dir keine Sorgen, denn die machen mit dir etwas, was du nicht willst. Sie ziehen dich hinunter. Und alles, worum du dir Gedanken machst, kommt dann eh anders, als du denkst. Jesus hätte so ähnlich argumentiert. Doch er hätte die große Zukunft Gottes schon im Blick.

 

Lebe jetzt! Das heißt zum andern: Hänge nicht so sehr der Vergangenheit nach. Sicher: Es hätte ungezählte andere mögliche Weichenstellungen in deinem bisherigen Leben gegeben. Aber jetzt bist du da, wo du bist. Hänge nicht der Vergangenheit nach: Nicht den Schuldgefühlen dir selbst gegenüber, noch denen, die das Zusammenleben mit andern schwer machen. Lebe jetzt. Gestalte den Augenblick!

Auch dieses, die bisweilen belastende Vergangenheit in ihre Schranken weisende Schauen auf die Möglichkeiten des Augenblicks kenne ich von Jesus. Lebe jetzt, denn Gott gibt dir die Möglichkeiten dazu. Dein Leben steht in einem größeren Zusammenhang, als du ihn überblicken könntest.

 

Für beide uns prägende Blickrichtungen: Für den sorgenvollen nach vorn wie für den belastenden Blick zurück hat Jesus eine Antwort: Gott sagt Ja zu dir. Vertrau ihm. Vertrau dich ihm an. Das ist alles. Mehr braucht es nicht. Vertrau Gott. Nichts anderes ist Glauben.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

In Kirchenkirnberg feiern wir heute die Diamantene und die Goldene Konfirmation. Da ist der Rückblick naheliegend.

Und unser Jesuswort aus dem Johannesevangelium wird an jeden Tagen der Konfirmation erklungen sein:
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

Vertrauen mit der Perspektive auf ein ewiges Leben. Weil Gott seine Welt, weil er alle seine Geschöpfe liebt.

 

Gott erweist sich in der Geschichte mit seinem Volk als einer, der in der Geschichte der Menschen erlebbar wird. Wenn auch unsichtbar. Wenn auch nur für wenige Ohren unmittelbar zu hören.

 

So sehnt sich das Gottesvolk früherer und heutiger Zeiten nach sichtbaren und hörbaren Eingreifen Gottes in unser Leben. Auf dem Weg durch die Wüste ließ Gott eine eiserne Schlange aufstellen. Wer zu ihr aufsah, musste keinen tödlichen Schlangenbiss fürchten.

Oh, solch eine magisch heilvoll wirksame Schlange hätten wir auch gern. In jeder Notlage genügt ein Blickkontakt, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Jesus vergleicht seinen Tod am Kreuz mit der Eisenschlange aus der Wüstenzeit. Ein Blick auf das Kreuz, und alles ist wieder gut?

 

Lasst uns für einen Moment Zurückschauen in die Geschichte unserer Zeit, der Zeit unserer Konfirmations - Jubilare. Gab es da Gott in der Geschichte zu erkennen?

 

1959, vor 60 Jahren, gab es in Genf eine Vier-Mächte-Konferenz zur Klärung der Frage nach einer Wiedervereinigung Deutschlands. Kernproblem war die Berlinfrage. Nebenbei: Ein Vergleich an die Diskussion um Jerusalem drängt sich mir auf. Verheißungsvoll lesen sich die konkreten Schritte, die die Außenminister zu Papier gebracht haben. Aber wir wissen: Zwei Jahre später trennte die Berliner Mauer die Menschen in Ost und West. Weitere 30 Jahre sollte es dauern, bis die Mauerspechte aus Ostberlin die deutsche Einheit auf den Weg gebracht haben. 1989: Ein weltbewegendes Ereignis, das ich dankbar und mit aller Vorsicht als Zeichen eines Eingreifens Gottes für mich gewertet habe.

 

Heinrich Lübke wir zweiter deutscher Bundespräsident. Knapp zehn Jahre später fallen dunkle Schatten auf seine NS-Vergangenheit. Das Geschacher ums Bundespräsidialamt war damals aber auch schon lebendig: Eigentlich wollte Konrad Adenauer seinen stärksten Konkurrenten Ludwig Erhardt aufs höchste Amt im Staat abschieben, dann überlegte er selbst eine Kandidatur. Doch die Machtpolitik brachte einen schwachen Bundespräsidenten ins Amt.

 

In der DDR verkündet Walter Ulbricht, dass die DDR in zwei Jahren die Wirtschaftskraft der BRD überholen werde. Was aus diesem ambitionierten Ziel geworden ist, können unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger im Osten erzählen.

 

Die ersten Volksaktien werden ausgegeben. Die Deutschen sind dabei gar nicht zaghaft: 300.000 Aktien werden innerhalb weniger Tage erworben. Der Sparanreiz soll die angerollte Konsumwelle bremsen.

 

Der Hula-hoop-Reifen erobert Deutschland. Medien bezeichnen ihn als „regelrechte Volksseuche.“

 

In Hamburg geht das DESY, das Deutsche Elekronensynchrotron in Betrieb. Wissenschaft auf höchstem Niveau zur Erforschung der Teilchen, die die Welt zusammenhalten. Physiker werden später davon reden, dass sich, je näher sie den Geheimnissen der Weltentstehung kommen, umso stärker religiöse Fragen stellen. Naturwissenschaft und Glaube müssen einander nicht ausschließen.

 

In Berlin regiert Willy Brandt als neuer Bürgermeister. Er wird Hoffnungsträger für viele. Die SPD gibt sich das Godesberger Programm und wird zur Volkspartei.

 

In der Schweiz lehnt eine Volksabstimmung die Einführung des Frauenwahlrechts ab.

 

Hawaii wird 50. Bundessaat der USA. Und Fidel Castro schottet Kuba von westlichen Einflüssen ab.

 

Machen wir einen Sprung zehn Jahre weiter: 1969 ersetzt Gustav Heinemann Heinrich Lübke im Bundespräsidialamt. SPD und FDP machen gemeinsame Sache. Im Herbst wird Willy Brandt Kanzler, die sozialliberale Koalition steht.

 

Unvergessen für alle, die damals einen Fernseher in Reichweite hatten: Wernher von Braun steuert Apollo XI auf dem Mond. „The eagle has landed“. Ein kleiner Schritt für Neil Armstrong, aber ein großer für die Menschheit.

 

In Ostberlin baut man den Fernsehturm am Alexanderplatz. Und die Kirchen in Ost und West trennen sich in zwei je eigene Kooperationsformen: Die EKD und den Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR. Die Spaltung Deutschlands hat jetzt auch den Protestantismus erreicht.

 

Der FC Bayern München wird erstmals Deutscher Meister in der Bundesliga. Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller sind Nationalspieler.

 

Bildungspolitisch experimentiert Deutschland mit Gesamtschulen. Erst mit der neuen Gemeinschaftsschule wird das Konzept wieder aufgegriffen.

 

Indira Gandhi regiert in Indien und Golda Meir in Israel: Frauen machen weltpolitisch auf sich aufmerksam.

 

 

Ein paar Blitzlichter auf die beiden Konfirmationsjahre 1959 und 1969 zeigen mir:
Es fiele mir schwer, Gottes Eingreifen in die Geschichte an einzelnen Punkten festzumachen. Auch das Volk Israel konnte von seinem Gott lange Zeit in der Wüste nichts spüren. In großem Abstand konnte man bekennen: Gott war von Anfang an dabei. Er war unterwegs mit uns, auch wenn wir nichts von ihm wissen wollten. Selbst als wir Ersatzgötter gebaut haben, ließ er uns nicht los.

 

Und wir? Worauf verlassen wir uns angesichts einer wechselvollen Geschichte und angesichts einer offenen Zukunft? Jesus lenkt unseren Blick auf die Gegenwart: Gottes Gericht an uns Menschen entscheidet sich jetzt: An unserem Vertrauen in den Gott, der seine Welt liebt. Gottes totale Hingabe am Kreuz seines Sohnes lässt alles hinter sich, was uns von Gott trennen könnte. Die Perspektive für Jesus wie für uns: Ewiges Leben. Nicht hart erarbeitet, nicht vom Mund abgespart, sondern Ewiges Leben aus purer Liebe, aus purer Liebe zu uns. Darum noch einmal Jesu Einladung: Vertraut. Vertraut dem Gott des Lebens, dem Gott der Liebe. Vertraut Gott euer Leben an. In guten wie in schweren Zeiten. Vertraut. Amen.

 

 

 

Lied: Kreuz, auf das ich schaue, EG 548,1-3